Kirche Gsteig

Kirche Gsteig
Kirche Gsteig

 

 

Kirche in Gsteig

(nach Hans Bettler und Arnold Seewer, Zusammanfassung Wolfgang Feller)

Im Jahr 1312 wird Gsteig unter dem Namen „Chastalet" urkundlich zum ersten Mal erwähnt. „Châtelet" ist noch heute der offizielle französische Name für Gsteig.

Der Name ist hergeleitet vom Wacht- und Wehrturm, der an geheiligter Stätte, sur la pierre bénie, erbaut und später zum Glockenturm der Kirche in Gsteig umgebaut wurde. Der Name Gsteig erklärt sich aus dem Ort, wo die Strasse zum Col du Pillon zu steigen beginnt.

Der Wacht- Wehr- und Zufluchtsturm ist im Wappen von Gsteig, zusammen mit dem halben Kranich von Saanen, erhalten geblieben.

Joder – (Abkürzung von Theodor oder Theodul) war als beliebter Schutzheiliger der Ober – Walliser, auch der Schutzpatron von Gsteig. Dies ist zugleich ein Hinweis auf die ersten Ansiedler.

Die Sankt Joder – Kapelle im Gsteig war die erste Kapelle, die an diesem Ort im 10. Jahrhundert erbaut wurde, bis am im 12. Jahrhundert vergrössert wurde und am 19. Juni 1453 eine noch einmal grössere Kirche durch den Bischof von Lausanne eingeweiht wurde.

Der 16. August – der Sankt Joder – Tag, wurde bis ca 1855 gemeinsam mit den Wallisern gefeiert. Die reformierten Gsteiger brachten das Joderbrot und die katholischen Walliser brachten die Jodernidle, die sie dann aus dem stets im Pfarrhaus aufbewahrten „Joderbüchti" auf dem Dorfplatz gemeinsam verspeisten. Anstelle des Rahms wurde dann in den letzten Jahren Wein genommen. Es war nicht der übermässige Weingenuss, der zur Abschaffung des alten Brauches führte, sondern viel mehr der Umstand, dass die Armen eigentlich leer ausgehen mussten, sich darob beklagten und den Gemeindevorgesetzten nicht ohne Grund den Vorwurf machten, sie um den Genuss eines altem Rechtes gebracht zu haben.1)

Die Verehrung des Schutzheiligen war in der Bevölkerung tief verwurzelt, ersichtlich in der Namensgebung etwa des Anfangs Herbst durchgeführten Jodermarktes (heute Gsteigermäret am letzten Samstag im September) oder des einstmals verbreiteten Vornamen Joder.

Zur Zeit der Berner Reformation 1528 blieb die Landschaft Saanen, damals zur Grafschaft Greyerz gehörend, beim alten Glauben, bis 1555 die verschuldete Grafschaft unter Bern und Freiburg frei gekauft wurde. Am 16. Januar 1556, nach Aufteilung der Grafschaft, hielt der von Bern beauftragte Johannes Haller die erste reformierte Predigt.

Kirche in Gsteig Innenausstattung

Das hölzerne Deckengewölbe stammt aus der Gründungszeit um 1553 und ist mit gotischem Masswerk verziert, wie der ähnlich verzierte Taufstein. Empore und Treppe kamen erst um 1636 dazu, wahrscheinlich wie die Kanzel, die von Christian Hauswirth in diesem Jahr geschreinert wurde. Die geschnitzte Kanzelinschrift basiert auf 2. Mose 3 JHVH: „Ich werde für dich da sein. 1713 wurde der Kanzelhut angebracht und von Pfr. Ringier gestiftet. Aus dieser Zeit stammt auch die reich verzierte Schrift mit Bibeltexten und einer Orgel, die 1901 und dann 1961 ersetzt wurden.

Glocken

Das Joderglöckchen von 1453 mit der Inschrift: Ave Maria gratia plena dominus tecum benedicta. Diese Glocke wird nur noch am Karfreitag geläutet.

Vesperglocke um 1706, Mittagsglocke um 1931 und die 4. Glocke von 1931.

Rodeleintäge von 1453 bis 1555 fehlen 3 katholische Priesternamen. Von 1556 bis heute sind die Rödel lückenlos vorhanden.

1) Im Saaner Jahrbuch 1972, Seite 26 schreibt Arnold Seewer: "Des Schreibenden Tante (1850 - 1931) erinnert sich daran, in ihren Kleinkinderjahren den 'Jodertag' noch erlebt zu haben". Das hiesse, dass es zwischen 1853 - 1859 noch einein Jodertag nach altem Brauch gegeben haben müsste. Gemeldet von Heini Hauswirth, Organist in Gsteig, am 8.4. 2014.

    

Kirchgemeinde Gsteig b. Gstaad

Pfarramt

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